Pressemitteilung des AK 11. Juli

13. Juli, BB

Am Abend des 10. Juli fand in der Stadthalle Sindelfingen der Abiball der Stufe 13 des Goldberg-Gymnasiums Sindelfingen statt. Nach dem offiziellen Ende des Abiballs kam es vor und in der Stadthalle zu einem brutalen Polizeiübergriff auf feiernde Jugendliche, welchen wir im Folgenden anhand der Auswertung von über 20 Gedächtnisprotokollen und Zeugenaussagen rekonstruieren wollen.

Zwischen 3.20 Uhr und 3.40 Uhr wurde die Polizei aufgrund einer Ruhestörung, die von Anwohnern angezeigt wurde, zur Stadthalle Sindelfingen beordert. Als die zwei Polizisten eintrafen, saß eine Gruppe musizierender Jugendlicher zusammen mit 50-70 anderen Feiernden vor der Stadthalle, darunter ein Gitarrist, der das Lied „Bullenschweine“ der Punkband „Slime“ sang. Da er mit dem Rücken zu den beiden Beamten saß, bemerkte er ihr Erscheinen erst, als sie direkt hinter ihm standen, woraufhin er das Singen einstellte. Die beiden Polizisten, sichtlich aufgebracht von der „Provokation“, lehrten die Jugendlichen auch gleich die Härten, die eine polizeiliche Maßnahme mit sich bringen kann: Rabiat wurde von einem Beamten nach der Gitarre des Gitarristen gegriffen – „Die ist beschlagnahmt“ – was von dem Gitarristen reflexartig verhindert wurde. Sein Kollege nutzte die Gelegenheit, um den Gitarristen zu schlagen und seinen Schlagstock zu zücken. Auf die Forderung nach seinem Personalausweis, erwiderte er, dass er diesen nicht bei sich habe – wohingegen die Polizisten eine Festnahme ankündigten. Von dem vermeintlichen Schlag gegen einen Polizisten, der laut Polizeibericht der Festnahme vorausgegangen sei, haben über 20 Zeugen nichts gesehen.

Die umstehenden Feiernden waren sichtlich überrascht und entsetzt über das Vorgehen der beiden Beamten, aus Trotz sangen gut 50 Feiernde Chorgesänge, andere fragten nach Namen und Dienstnummer der Polizeibeamten, was ihnen verwehrt wurde. Nach einiger Zeit traf die von den beiden Polizisten gerufene Verstärkung ein. Die nun ca. 10 anwesenden Polizisten zückten sofort ihre Schlagstöcke und begannen wahllos, auf Umstehende einzuprügeln, welche teilweise zum Zeichen der Gewaltfreiheit ihre Hände in die Luft hielten.

Besagter Gitarrist wurde nun von Polizisten angegangen, daraufhin floh er in den Foyerbereich der Stadthalle, wo er mit dem Rücken zu den ihm folgenden Polizeibeamten mit Pfefferspray besprüht wurde. Auch Unbeteiligte bekamen hier eine gehörige Ladung Pfeffer ab. Die Polizisten überwältigten den Verfolgten und drückten ihn etwa 2 Minuten lang auf den Boden, wobei es sich ein Beamter nicht verkneifen konnte, sein Knie auf den Hals des Festgenommenen zu drücken, sodass dieser nur schwerlich Luft bekam. Darauf aufmerksam gemacht, reagierten die Polizisten mit Spott.

Kurz darauf wurde ein weiterer Gast festgenommen. Dem 20-jährigen Jugendlichen wurden Handschellen angelegt, er abgeführt. Während dem Abtransport bekam der Gefangene von einem Polizisten einen Schlag mit dem Schlagstock in den Beinbereich, woraufhin dieser zusammenbrach. Der zweimaligen Aufforderung, wieder aufzustehen, der der Jugendliche nicht nachkommen konnte, folgte sogleich ein Schlag mit dem Schlagstock ins Gesicht bzw. das Auge des am Boden liegenden. Daraufhin wurde er von den Staatsbeamten rabiat eine Treppe hochgeschleift.

Einige Minuten später bemerkten die Polizeibeamten, mittlerweile verstärkt, dass ein Gast sie mit seinem Handy filmte. Nachdem dieser grob weggestoßen wurde, beschlagnahmten sie sein Mobiltelefon und nahmen ihn mit in den Außenbereich der Stadthalle, wo ihre Dienstfahrzeuge parkten. Währenddessen waren etliche Partybesucher und Abiturienten damit beschäftigt, von den anderen anwesenden Polizisten Dienstnummer, Name sowie Name des Einsatzleiters herauszufinden, was diese rigoros mit Sätzen wie „Sowas haben wir nicht“, „Ich bin nicht zuständig“ oder „Wenn du noch mal fragst, nehmen wir dich auch mit!“ beantworteten. Die einzige Auskunft, die Fragende erhielten, war die Telefon-Nummer des Polizeipräsidiums Sindelfingen.

Von einigen Umherstehenden wurden die Personalien aufgenommen, Auseinandersetzungen gab es jedoch nicht mehr. Den beiden Festgenommenen wurde in der Fahrt aufs Polizeirevier Sindelfingen Schläge angedroht, sollten sie den Anweisungen der Polizisten keine Folge leisten. Das Bein des einen blutete und schmerzte auf der Polizeiwoche aufgrund des Schlagstockeinsatzes. Die Aufforderung, einen Arzt zu sprechen wurde ihm verweigert, ebenso ein Anruf beim Rechtsanwalt. Ein Promilletest ergab bei beiden Gefangenen Werte über 1 Promille.

Nach kurzer Zeit wurden die beiden Festgesetzen wieder auf freien Fuß gelassen, ihnen drohen nun zusätzlich zu den Verletzungen durch die Polizei aber noch Strafverfahren. Direkt nach der Freilassung suchten die beiden einen Arzt auf, um ihre Verletzungen attestieren zu lassen.

Wir fordern:

- Restlose Aufklärung der polizeilichen Angriffe auf Feiernde!
- Einstellung der Strafverfahren gegen die beiden Festgenommenen!
- Polizeigewalt aufdecken und verhindern!


29 Antworten auf „Pressemitteilung des AK 11. Juli“


  1. 1 Daniel 13. Juli 2010 um 16:16 Uhr

    harte nummer! scheint aber bei der sindelfinger polizei schon länger gang und gäbe zu sein.
    muss ca. 7 jahre her sein, wir waren betrunken im mc donnalds am breuningerland. weil wir scheinbar ein wenig die nicht fähigen mitarbeiter angepöbelt haben rief man die polizei. als diese kam wurden wir von den beamten herausgebeten. dieser bitte kamen wir umgehend nach. draußen fingen die 4 beamten wild an alle beteiligten (4 oder 5 junge erwachsene) komplett durcheinander zu befragen und die ausweise einzusammeln, woraufhin ich nach name und dienstnummer des einen beamten fragte.
    sofort wurde ich rabiat ans polizeiauto geworfen, komplett durchsucht, handschellen (viel zu eng) angelegt, und ins auto gesetzt. ich machte relativ laut auf mich aufmerksam, um zeugen auf das vorgehen der beamten hinzuweisen.
    auf der fahrt ins revier, wurden mir mehrfach schläge angedroht. es vielen dabei die worte „halt jetzt dein maul du arsch, sonst gibts eine!“
    im revier wurde ich grob in die zelle geschliffen und erlitt dabei verletzungen (schürfwunden) an den händen.
    der anruf eines anwaltes wurde auch mir verwehrt, man meinte ich könne ja mein handy dazu benutzen, welches mir kurz darauf aber abgenommen wurde.
    am nächsten morgen durfte ich wieder nach hause, und bekam später noch eine rechnung über 170 euro für den einsatz der 4 beamten.
    ich habe damals leider nichts gegen das vorgehen unternommen, da mir das einfach zu stressig war, obwohl ich das vorgehen der beamten als nicht gerechtfertigt ansah.
    ich hoffe, dass das ganze diesmal aufgeklärt wird! und das die netten herren in grün ihre strafe für das unverhältnismäßige vorgehen bekommen!

  2. 2 Lol 13. Juli 2010 um 20:04 Uhr

    LACHHAFT…… packt euch an der eigenen Nase… sauft weniger dann wisst ihr am nächsten Tag auch noch was passiert ist…..

  3. 3 RS1985 13. Juli 2010 um 23:04 Uhr

    Wer sich gegen die Staatsgewalt auflehnt, muss mit einem solchen harten Vorgehen der Polizei rechnen. Den Anweisungen der Beamten ist umgehend Folge zu leisten. Wer sich auf Diskussionen einlässt oder sich zur Wehr setzt, muss mit solchen Reaktionen der Beamten rechnen. Vorallem mitten in der Nacht zwischen 3 und 4 Uhr, darf man nicht erwarten, dass sich die Polizisten auf lange Diskussionen einlassen. Da die Nachtruhe von Anwohnern gestört wurde und Ruhestörung somit vorliegt, ist die Polizei auch daran interessiert, die Sache so schnell wie möglich aufzulösen und zu klären. Da auch Alkohol bei den Feiernden im Spiel war, war die Polizei daran interessiert, entschlossen und schnell vorzugehen.
    Aus meiner Sicht hätten die Feiernden, die eventuell nüchtern waren, dafür sorgen müssen, dass die Nachtruhe eingehalten wird und das Fortsetzen der Abschlussfeier in einer Disco oder in einer lärmgeschützten Umgebung, erfolgte.

  4. 4 Mustermann 14. Juli 2010 um 2:21 Uhr

    Passend zum Thema hat Amnesty International vor ein paar Tagen eine Kampagne zur Polizeigewalt gestartet.

    Und nicht vergessen: Erstattet Anzeige gegen die Polizisten! Auch wenn es vermutlich erstmal auf eine Anzeige gegen Unbekannt hinauslaufen wird. Jeder der beispielsweise Pfefferspray abbekommen hat und, warum auch immer, auf eine Anzeige verzichtet zeigt den Polizisten dass sie nichts zu befürchten haben wenn sie prügeln und macht sich so gewissermaßen zum Mittäter.

    Außerdem könnte es auch ratsam sein sich mal mit der Roten Hilfe Stuttgart in Verbindung zu setzen.

  5. 5 Mustermann 14. Juli 2010 um 2:25 Uhr

    Passend zum Thema hat Amnesty International vor ein paar Tagen eine Kampagne zur Polizeigewalt gestartet.

    Und nicht vergessen: Erstattet Anzeige gegen die Polizisten! Auch wenn es vermutlich erstmal auf eine Anzeige gegen Unbekannt hinauslaufen wird. Jeder der beispielsweise Pfefferspray abbekommen hat und, warum auch immer, auf eine Anzeige verzichtet zeigt den Polizisten dass sie nichts zu befürchten haben wenn sie prügeln und macht sich so gewissermaßen zum Mittäter.

    Außerdem könnte es auch ratsam sein sich mal mit der Roten Hilfe Stuttgart in Verbindung zu setzen.

    Und noch was: Lasst euch nicht von arroganten Kommentaren irgendwelcher Autoritätsfetischisten entmutigen, das sind genau diejenigen die vor 70 wohl auch die SS beklatscht hätten. Schön das ich euch öffentlich wehrt!

  6. 6 RS1985 14. Juli 2010 um 9:24 Uhr

    @Mustermann: Bitte jetzt nicht im Ton vergreifen. Ihre Aussage, „Lasst euch nicht von arroganten Kommentaren irgendwelcher Autoritätsfetischisten entmutigen, das sind genau diejenigen die vor 70 wohl auch die SS beklatscht hätten.“, ist schon sehr grenzwertig im Bezug auf Beleidigung und übler Nachrede. Vorallem der Teil mit Erwähnung der SS kann zu einer Anzeige führen. Üble Nachrede ist auch im Internet strafbar. Außerdem gibt es auch noch die Meinungsfreiheit und diese sollten auch Sie respektieren.

  7. 7 Elke 14. Juli 2010 um 9:41 Uhr

    körperverletzung ist keine meinung sondern ein verbrechen!
    und das haben in der nacht nicht die abiturienten begangen sondern die „polizisten“ !

  8. 8 Elke 14. Juli 2010 um 9:43 Uhr

    körperliche unversehrtheit ist immernoch ein grundrecht das NIEMAND und VOR ALLEM kein polizist ausser kraft setzen darf.
    dagegen ist ruhestörung ein kinkerlitzchen.

  9. 9 man 14. Juli 2010 um 10:19 Uhr

    Leute leute…
    nur weil das hier ein annonymer blog ist müsst ihr nich gleich anfangen zu tun als wärt ihr die profies in allen lebenslagen und mit nem größeren natürlichen rechtanspruch als andere geboren…
    haltet eure zunge im zaum und bleibt mal lieber bei euch selber!
    ‚‘Schneider bleib bei deinen Leisten'‘… kümmert euch um eure eigenen sachen bevor ihr anfangt über andere zu urteilen!
    Woher nehmt ihr euch das recht sowohl die polizisten als auch die abiturienten zu beurteilen????
    Erziehung übers internet funktioniert nicht…
    Schon garnicht wenn keine gesicherten informationen vorliegen…

  10. 10 R. 14. Juli 2010 um 10:22 Uhr

    @RS1985
    entschuldigung, aber so ein unqualifizierter kommentar muss echt nicht sein.

    bei meiner eigenen abifeier waren wir auch zu laut, genau das gleiche spiel, die polizei kam um 3 uhr nachts und hat uns gebeten bitte leiser zu sein.
    absolut freundlich, aber natürlich bestimmt.
    nachdem sie dann zum zweiten mal vorbeikommen musste haben sie die versammlung aufgelöst.
    SO simpel kann das ganze laufen, wenn die polizei aber schon mit einer falschen grundeinstellung und mit hoher bereitschaft zu gewalt an die sache herangeht, endet das ganze wir samstag nacht.

    ich war dabei und konnte die aktionen der polizei mit eigenen augen beobachten.
    bisher hatte ich wenig probleme mit der polizei und war eig. der meinung dass sie dazu da sind um uns zu helfen.
    nach samstag nacht hat sich meine einstellung dazu deutlich geändert.

    und kommentare die die aktion mal wieder mit der verdorbenen jugend und zuviel alkoholkonsum in verbindung bringen sind hier absolut nicht angebracht!

  11. 11 B. 14. Juli 2010 um 11:03 Uhr

    @R.:

    bei meiner eigenen abifeier waren wir auch zu laut, genau das gleiche spiel, die polizei kam um 3 uhr nachts und hat uns gebeten bitte leiser zu sein.
    absolut freundlich, aber natürlich bestimmt.
    nachdem sie dann zum zweiten mal vorbeikommen musste haben sie die versammlung aufgelöst.
    SO simpel kann das ganze laufen, wenn die polizei aber schon mit einer falschen grundeinstellung und mit hoher bereitschaft zu gewalt an die sache herangeht, endet das ganze wir samstag nacht.

    Wenn du schon vergleichst: Gab es bei deiner Abifeier beim Eintreffen der Polizei auch Beamtenbeleidigung? Wurde sich damals auch den Aufforderung zur Herausgabe der Personalien widersetzt?
    Vermutlich nicht — und ihr seid damals auf die Hinweise der Polizei eingegangen und habt kooperiert.
    Wie man in den Wald hineinruft, so… das gilt für beide Seiten. Und wer sich so viel Mühe gibt, die Polizisten gegen sich aufzuheizen wie der Gitarrist, der darf sich nicht wundern.

  12. 12 RS 14. Juli 2010 um 11:30 Uhr

    Der Auslöser für die angespannte Grundhaltung der Polizisten war sicherlich das Lied „Bullenschweine“. Als sich der Sänger und Gitarrist dann noch geweigert hat, seine Personalien herauszugeben und mit auf’s Revier zu kommen, hatte die Polizisten nur noch die Wahl, den Gitarristen härter anzupacken, um ihn auf’s Revier mitzunehmen. Man darf auch nicht den Alkoholkonsum völlig außer Acht lassen. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Alkohol die Gewaltbereitschaft steigen lässt. Das wird zwar von den Beteiligten niemand zugeben, aber abstreiten lässt es sich auch nicht. Ich hoffe, dass die Sache aufgeklärt wird, aber dazu gehört auch, dass beide Seiten ehrlich sind und 100%ig zu ihren Fehlern stehen.

  13. 13 Patrick G. 14. Juli 2010 um 12:25 Uhr

    Leider ist hier dasselbe zu beobachten wie in vielen Onlinekommentaren der Zeitungen. Es wäre teils sehr wünschenswert wenn sich so mancher Kommentator den Text auch mal durchliest den er kommentiert, denn da sind die Sachverhalte der sogenannten „Beamtenbeleidigung“ sehr deutlich geschildert, nämlich das keine direkte Beleidigung der Beamten vorlag, bevor diese nicht zu Gewalt schritten und ihrerseits Abiturienten sehr obszön beleidigten. Und ständig das Totschlagargument zu bringen „ja die waren ja alle besoffen und da steigt ja die Gewaltbereitschaft“ iust absolut lachhaft, da pauschalisiert.
    1. waren sehr viele Nüchterne anwesend die alle bezeugen können, dass von den Abiturienten KEINERLEI Gewalt ausging
    2. Kann man auch nach 4 Glas Wein noch richtig denken und nicht jeder wird sofort zum Gewaltverbrecher.

    Objektive Kommentare sind in diesem Blog sehr gewünscht, da er nüchtern dazu dient den Sachverhalt restlos aufzuklären.
    Pauschalisierte, unkonstruktive Beiträge von irgendwelchen absolut Unbeteiligten, die sich auch nicht die Mühe machen sich ein breiteres Bild der Angelegenheit zu verschaffen sind hier jedoch definitiv unerwünscht.

  14. 14 Daniel 14. Juli 2010 um 12:28 Uhr

    1. hat der gittarist die polizisten nicht gesehen
    2. hatte er den personalausweis nicht bei sich (also nicht geweigert rauszugeben)
    3. gibt es den tatbestand beamtenbeleidigung überhaupt nicht! und rechtfertigt eine beleidigung (diesen tatbestand gibts es, völlig egal wer dabei beleidigt wird) nicht im geringsten einen gewalteinsatz seitens der polizei!
    Daniel

  15. 15 Daniel 14. Juli 2010 um 12:31 Uhr

    1. & 2. laut schilderung der jugendlichen im text oben. Also subjektive Wahrnehmung der Jugendlichen.

  16. 16 D. 14. Juli 2010 um 12:42 Uhr

    Versteht man die Äußerung „Polizisten sind Schweine“ als Werturteil, so entzieht sie sich einer Einordnung in die Kategorien wahr/falsch. Es handelt sich also um eine Meinung, deren Äußerung durch den Art. 5 Abs. 1 des Grundgesetzes geschützt ist. Dieser Schutz wird eingeschränkt durch Art. 5 Abs. 2 (Schrankentrias), zu dem insbesondere die „Vorschriften der allgemeinen Gesetze“ sowie das „Recht der persönlichen Ehre“ gehören. Gerichte müssen daher stets eine Abwägung zwischen den Grundrechten der Meinungsfreiheit und der persönlichen Ehre vornehmen.

    Ausgangspunkt ist daher in den meisten Fällen der Straftatbestand der Beleidigung (§ 185 StGB). Unstrittig ist, dass einzelne Menschen beleidigungsfähig sind („Polizist X ist ein Schwein“). Es ist weiter anerkannt, dass natürliche Personen wie Polizisten auch unter einer Kollektivbezeichnung beleidigt werden können, wenn der Täter einen Personenkreis bezeichnet, welcher zahlenmäßig überschaubar ist und auf Grund bestimmter Merkmale so klar umgrenzt ist, dass er deutlich aus der Allgemeinheit hervortritt (BGHSt 36, 83). In solchen Fällen ist die Beleidigung auf jedes Mitglied des Personenkreises gemünzt. Nach herrschender Meinung ist die Gesamtzahl der Polizisten in Sindelfingen oder gar Deutschland beleidigungsfähig, da sie zwar groß, jedoch überschaubar und abgrenzbar ist. Auf die Gesamtzahl der Polizisten auf der Welt trifft dies jedoch nicht zu.
    Somit stellt sich die Frage, ob mit dem Lied nur ein bestimmter Kreis an polizsiten gemeint war.
    (Davon zu unterscheiden ist, dass auch Organisationen selbst beleidigt werden können, soweit diese eine rechtlich anerkannte gesellschaftliche Aufgabe erfüllen und einen einheitlichen Willen bilden können (BGHSt 6,186; ablehnend RGSt 3, 246; RGSt 68, 120). Demnach wäre die Polizei auch als Organisation beleidigungsfähig.)
    Angelehnt an: http://de.wikipedia.org/wiki/Soldaten_sind_M%C3%B6rder#Juristischer_Hintergrund

    ps. und selbst wenn es eine Beleidigung war: Wo steht, dass dann ein Polizist prügeln darf? Gott sei dank ist in Deutschland Selbstjustiz verboten und strafbar.

  17. 17 RS 14. Juli 2010 um 12:47 Uhr

    Zum Gitarristen: Er hat seinen Ausweis nicht dabei gehabt, aber zur Aufnahme seiner Personalien dürfen die Beamten ihn auffordern, mit auf’s Revier zu kommen. Wenn er sich dann weigert mitzokommen oder sogar versucht wegzulaufen, dürfen die Beamten durchaus eine härtere Gangart anwenden.

    Zum Thema „Beamtenbeleidigung“: Es kommt einem definitiv „spanisch“ vor, dass ausgerechnet bei Eintreffen der Beamten, das Lied „Bullenschweine“ angestimmt wurde. Das sorgt automatisch zu Irritationen und „beschädigt“ die Glaubwürdigkeit der „Pressemitteilung“.

    Zum Thema Alkohol: Sicherlich wird es Anwesende gegeben haben, die noch nüchtern waren oder nur sehr wenig Alkohol getrunken haben. Aber gerade diesen Personen hätte klar sein müssen, dass eine Anzeige wegen Ruhestörung zu Stande kommen kann und die Polizei vorbeikommen würde. Warum haben diese Personen ihre Freunde und Bekannten dazu angehalten etwas leiser zu feiern? Um 3/4 Uhr in der Früh‘ sollte man den nötigen Respekt vor den Anwohnern aufbringen, auch nach einer Abschlussfeier.

    Fazit: Ich hoffe, dass die Sache aufgeklärt wird und der Polizeibereicht sich als Übertreibung herausstellt, aber in der „Pressemitteilung“ der Abiturienten gibt es auch Ungereimtheiten, die ich oben teilweise erörtert habe. Zumindest die Ruhestörung sollte man aber zugeben und die Auseinandersetzung nicht dazu nutzen, einen „Mantel des Schweigens“ darüber zu legen.

  18. 18 Anonym 14. Juli 2010 um 13:02 Uhr

    Leute, meine Güte! Anzeigen wegen Ruhestörung gibt es 20-30 pro Nacht am Wochenende, es gibt einfach Leute die sofort die Polizei rufen wenn ein Hahn zu laut kräht!
    So mancher 60 jähriger war sicher auch mal zu laut nach 7 Viertele beim Weinfest, oder weil er seinen Ruhestand feiert.
    Verglichen mit ausufernder Gewalt durch Schlagstöcke ist es eine Lapallie um 3 Uhr an einem Sonntagmorgen etwas zu laut zu sein!
    Waren die geehrten Kommentatoren denn nie jung??

  19. 19 RS 14. Juli 2010 um 14:03 Uhr

    Es macht einen Unterschied, ob eine Gruppe von 5 Leuten für eine Ruhestörung verantwortlich sind oder 50-70 Leute um 3 Uhr in der Früh‘ Lieder singen. Der Lärmpegel ist weitaus höher und mit „normaler“ Ruhestörung nicht zu vergleichen. Und eine Lapallie oder ein Kavaliersdelikt ist Ruhestörung auch nicht, aber vor der Nachtruhe muss man ja keinen Respekt mehr haben (Ironie). Aber Fehler einzugestehen fällt in diesem Fall den „Opfern“ sehr schwer…

  20. 20 BigB 14. Juli 2010 um 14:26 Uhr

    Für mich gibt es einfach keinen logischen Grund, weshalb die Polizisten einfach ihre Schlagstöcke zücken und ‚wahllos‘ auf die ‚friedlichen‘ Feierenden einprügeln. Das Bild ist mir zu einseitig. Ich kenne genügend Polizisten und Soldaten in meinem Bekanntenkreis. Diese werden von Linken gerne als ‚Schläger in Uniform‘ denunziert. Das ist einfach eine Sauerei. Ich gebe zu, man darf nicht alles billigen, was die ‚Staatsgewalt‘ durchführt.
    Ich plädiere allerdings dafür, sich an die eigene Nase zu fassen.
    Selbstreflexion meine Herren. Unsere ‚unterdrückten Linken‘ die immer so böse von ‚teuflischen Polizei‘ behandelt werden, sollten sich durchaus bewusst sein, dass die oft der Auslöser für die härtere Gangart sind. In diesem Fall das Lied Bullenschweine.
    Und nein, ihr habt nicht alle Recht der Welt. Meinungsäußerung hin oder her. Ein bißchen Respekt, Kooperation und Wertschätzung vor diesem harten Beruf ist sicher nicht fehl am Platze.
    Und ja ich war (und bin) immer noch jung. Auch ich hatte viele Kontakte mit der Polizei (auch im Kreis Böblingen). Sowohl vlööig stramm als auch nüchtern. Auch ich habe gefeiert und die ein oder andere ‚Schandtat‘ begangen. Und trotzdem: Wenn man sich nicht völlig querstellt, dann hat man auch nichts zu befürchten. Wobei wir wieder bei der eigenen Nase wären.
    Leute, wir leben in einem relativ libertären Staat. Viel mehr geht nicht. Wenn ihr euch über Polizeigewalt beschwert dann lebt doch mal ne Weile in einem osteuropäischen Land. Oder in China. Dann werdet ihr euch nach dem bißchen Pfefferspray in Sindelfingen sehnen!

  21. 21 Vielleicht... 14. Juli 2010 um 15:18 Uhr

    Hier scheinen einige nicht richtig lesen zu können.

    Ruhestlrung hin oder her, die Polizisten wiesen ganz gegen die Erwartung nicht auf die Ruhestörung hin, sondern fingen sofort total überreizt an, den Gitarristen festzunageln.

    Ebenso, rannte dieser nicht weg, weil sie seine Personalien haben wollten sondern, weil sie sich unrechtmäßig an ihm vergingen. Wer würde nicht vor wildgewordenen Polizisten fliegen wollen?!

    Arbeiten die Herren und Damen hier bei der Presse oder wurde das Fakten-Verdrehen in die Wiege gelegt?!

  22. 22 oder so 14. Juli 2010 um 18:26 Uhr

    Als nicht Beteiligter oder Anwesender kann man nicht über Berichte in Zeitungen in der Weise urteilen, ob Diese der Wahrheit entsprechen und meiner Meinung nach also auch nicht, ob das Geschehene jetzt zu verurteilen ist auf welcher Seite auch immer.

    In dem Blog geht es einzig und allein um die Aufforderung die Aussagen der Anwesenden (hier die Schüler) zu bündeln, bzw. per Email an den Betreiber zu schildern.

    Nur damit man weiß, um was es geht, wird die Schilderung aus Sicht der Feiernden dargestellt – und das ist auch erst mal ihr gutes Recht.

    Sämtliche Polemik in welche Richtung auch immer hat hier eigentlich Nichts mit dem eigentlichen Vorfall zu tun und entbehrt auch einer Reife, wie sie auch schon – nicht vorhanden – den Hochschulreifen vorgeworfen wird.

    Dass die Polizei als ausübendes Staatsorgan tätig werden muss, unstreitbar. Dass jeder Anzeige nachgegangen werden muss, unstreitbar. Dass Anordnungen befolgt werden müssen, unstreitbar. Dass Widerstand schon dann besteht, wenn man „Nein“ zur bevorstehenden Mitnahme zur Feststellung evt. Personalien auf das Revier sagt, unstreitbar.

    Aber, der Einsatz von körperverletzenden Mitteln, wie Schlagstöcken und Pfefferspray, das unzählige Besucher im Foyer auch einatmen mussten, sollte dem Vorgang gerecht werden und das tut es wohl in dieser Sache überhaupt nicht.

    Fakt ist, dass zwei Schüler erheblich verletzt wurden, von Seiten bei der Polizei aber keine „größeren“ Verletzungen attestiert wurden und der Faustschlag gar nicht bewiesen ist – vorläufig.

    Augenzeugen sollen sich anonym beim Betreiber melden, ebenso die Schüler mit Filmmaterial, das nicht beschlagnahmt wurde.

    Den Rest überläßt man der Verhandlung und da gehört der Rest auch hin.

    cg

  23. 23 Schwalbe 14. Juli 2010 um 20:04 Uhr

    @ RS: da sie ja anscheinend so gut bescheid wissen,wüsste ich gerne von ihnen welche Fehler genau die „Opfer“ eingestehen sollen („Aber Fehler einzugestehen fällt in diesem Fall den „Opfern“ sehr schwer… “). Was genau haben die Anwesenden verbrochen & wollen es jetzt geheim halten?

  24. 24 Jakob 15. Juli 2010 um 2:02 Uhr

    Mit diesem Eintrag möchte ich mich an diejenigen richten, die das Vorgehen der Polizei auf Grund des Widersetzen einiger Abiturienten gegen die Staatsgewalt rechtfertigen. Als Augenzeuge kann ich mit reinem Gewissen versichern, dass das Vorgehen der Polizei keineswegs angebracht war. Vor allem als Vertreter des Staates bzw. der Institution die das Gewaltmonopol inne hat, sollte man sich auch noch um 3 oder 4 Uhr angemessen verhalten. Dies ist wohl kein Argument. Gleichzeitig berechtigt das Widersetzten einzelner keinen Polizisten, gegen Unschuldige bzw. Unbeteiligte vorzugehen. Wer sich in diesem Falle das Urteil herausnimmt, das Verhalten deer Polizisten als richtig zu betrachten, ohne selber dabei gewesen zu sein, sollte sich wirklich ernsthafte Gedanken über seinen Intellekt machen. Denn solche unfundierten Urteile haben in der Geschichte schon oft zu Missständen, Hass und Gewalt geführt -

  25. 25 FUCK COPSSSSSSSSSS 16. Juli 2010 um 15:09 Uhr

    das hätte ich mir nicht gefallen lassen! diese bullentucken sind doch nur hampelmänner! in berlin wäre das anders abgelaufen!

  26. 26 Cornelius 18. Juli 2010 um 9:11 Uhr

    @Fuc* Cops
    Das wäre in Berlin garnicht anders abgelaufen, Du *** (Eigenzensur)! [Bin selbst aus B a. d. Spree] Pauschalisierte Verunglimpfungen wie Bullentucken & Hampelmänner kanst du ja mal ablassen, wenn Du den Berliner Cops mit Quarzsandhandschuhen, Mehrzweckkampfstock und Plastepanzer gegenüberstehst. Ausserdem sind das immernoch unsere MITmenschen unter der Uniform!!! Versucht doch lieber mit dem Menschen zu kommunizieren, als auf das ‚rote Tuch‘ der Uniform abzugehen!

    Wenn wir uns weiterhin von i-welchen Kaspern in immer kleinere Grüppchen aufspalten lassen und uns gegenseitig bekriegen, wird es keine positive Änderung der Zustände geben, die wir alle beklagen: Dazu braucht es Einigkeit!
    Unterwerfen wir uns aber dem Diktat der ‚Teile & Herrsche‘– und ‚Brot & Spiele‘-NeoKons, landen wir in der übelsten Finster-Utopie der Neuzeit.
    Daher: Stellt einen Konsens her!
    Konzentriert euch auf die Gemeinsamkeiten, statt die Unterschiede hervorzuheben.
    Einigkeit macht stark! & mit Stärke, kann man was zum Guten verändern, was wir hoffentlich alle wollen.

  27. 27 P. 23. Juli 2010 um 3:12 Uhr

    Letztlich fehlte hir vorallem das Fingerspitzengefühl der Polizisten. Wenn man als solcher auf eine Abifeier gerufen wird sollte man vielleicht nicht mit der Einstellung dort hingehen, dass man dort Schwerverbrecher vorfindet und nach einer unspektakulären Lösung suchen. Das ist hier leider nicht passiert und deswegen liegt sicherlich auch eine Mitschuld der Ereignisse bei den Polizisten.
    Im Grunde genommen finde ich es wichtig, dass es Leute wie die Gründer dieses Ak’s gibt, da auch über so heikle Themen wie die Unverhältnismäßigkeiten in der Polizeiarbeit diskutiert werden muss und sollte. Dies ist gewiss kein Einzelfall, und eine solche Diskussion ist unter anderem ein Ausdruck von Demokratie!
    Weiter so.

  28. 28 Ray 27. Juli 2010 um 12:05 Uhr

    Hallo,

    zu den beschriebenem Vorgang habe ich ein paar Fragen.
    Waren die Teilnehmer der Party wirklich alle so friedlich? Aus irgendeinem Grund muß doch die Polizei gerufen worden?
    Ist es ein Zufall, dass das Lied „Bullenschweine“ gesungen, gespielt wurde, just in diesem Moment die Polizei erschien?
    Einer der teilnehmer konnte sich ja anscheinends nicht ausweisen, ging von den Polizisten weg, diese hätten dann „grundlos“ Pfefferspray in den Rücken des gehenden gesprüht. Ich finde diese Beschreibung etwas realitätsfern.
    Warum sollte jmd. Pfefferspray in den Rücken sprühen, ist allein schon wegen der Wirkungsweise unlogisch.
    Dann wird beschrieben, dass ein Polzist bei der Festnahme auch noch sein Knie auf den Hals des Festgenommenen gedrückt hätte.
    Schaut euch mal auf Youtube Videos über Festnahmen an, vielleicht betreibt jmd. auch Kampfsport,diese Technik ist absolut üblich, hat nichts mit Sadismus etc. zu tun.
    Sicher ist nicht jede Polizeiaktion in der BRD fehlerfrei, aber die Intention die bei der Beschreibung rüberkommt erinnert irgendwie an die Beschreibung einer Polizeiaktion in einer Diktatur.
    Ach, noch etwas, die Zeugenaussagen.
    Warum sollten die Zeugen Akteneinsicht bekommen? Ist in der StPo nicht vorgesehen.
    Sicher, man muss der Ladung der Polizei keine Folge leisten, im Gegensatz zur Ladung durch die Staatsanwaltschaft, aber was ändert dies an den Fakten?
    Bei der Polizei und dem StA hat man genau die gleichen Rechte und Pflichten, so what?

    Bin gespannt ob jmd. konstruktiv antwortet.

    Grüße

    Ray

  1. 1 trueten.de - Willkommen in unserem Blog! Trackback am 14. Juli 2010 um 14:30 Uhr
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